Frappierend ist das Ignorieren des Sachverhalts, dass da Glieder, die einmal der Gemeinschaft angehört haben, die sich engagiert, die sich eingebracht haben, plötzlich weg sind. Das betrifft zum einen die Eltern: Gehörte man einst zum Kollektiv der Klasse, so wird man nun von vielen geschnitten, viele grüßen nur und gehen weiter. Eigentlich haben nur wenige gefragt. Und die wenigsten haben konstruktive Hinweise gegeben – verbreiteter war das Weiterempfehlen „Dann müßt Ihr halt in die xy-Schule gehen.“
Und zum anderen auch die Pädagogen: Am liebsten ignorieren, wegsehen. Diejenigen, mit denen man eng zusammen arbeitete, eher hilflos, andere machen einen Bogen. Nur nicht ansprechen. Nur nicht aussprechen!
Und wenn direkt noch einmal ein Vorstoß gewagt wird, bekommt man die konservierten Urteile von vorgestern vorgesetzt. Neben dem Labeling ist das Ignorieren die Hauptmethode, mit dem Konflikt umzugehen. Er wird geleugnet. Und: Die Bearbeitung wird den Opfern aufgedrückt. Sie dürfen sich fortwährend darum kümmern, dass der Eiter nicht mehr läuft, die Wunde sich schließt, eine Narbe sich bildet. Das Kollektiv hat die Arbeit schlichtweg outgesourct!
Das Wegsehen
Januar 11, 2009 von anubis2000