In der Sommerzeit wird in manchen Waldorfschulen werden “Olympische Spiele” gemacht, oft in Camps, in denen alte Sportarten wie z.B. Dreisprung oder Lanzenwerfen geübt werden. Den Abschluss bildet dann ein Wettkampf von Mannschaften. Es soll dabei weniger auf Leistung ankommen, sondern auch auf “schöne Bewegungen”. Schön, dass das Leistungsprinzip hier durchbrochen wird! – Dass das soziale Miteinander dabei auf der Strecke bleiben kann, zeigt folgende Anekdote: Die Wettkämpfe hatten Stunden gedauert und alle waren hungrig und gleichzeitig dräute schlechtes Wetter. Ich half noch mit aufräumen und kam dann später zum Buffet, das überdacht war und wo man sich rotierend bewegen sollte, damit alle dran kamen. Rotieren? Wer sich nicht drängen wollte, stand buchstäblich im Regen. Also auch hier Ellenbogengesellschaft und wer nicht mitmachen will, hat Pech gehabt. Schöne Gesellschaft!
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Die betreffende Pädagogin ist in der Schulgemeinschaft hoch angesehen, weil sie sich engagiert, weil sie – was ist die Steigerung von Engagement? Richtig: Opfer – sich opfert. Dass das keine gesunde Art ist, sich einzubringen, dass es gerade in pädagogischen Berufen nötig ist, Maß zu halten, das wird nicht thematisiert. Dass das Burn out-Syndrom eine fast unausweichliche Folge davon ist und was dann die Folge für jene ist, mit denen die pädagogische Kraft zu tun hat, das wird nicht gesehen. Pädagogik bedeutet doch, mit der richtigen Methode, dem richtigen Maß und den richtigen Inhalten zu hantieren, sonst liegt irgend etwas daneben. Und wenn dies im Umfeld nicht gesehen, nicht thematisiert wird, dann liegt auch das Umfeld daneben, nicht nur die pädagogische Kraft.
Opfer bringt Opfer hervor: Jene, die falsch beurteilt, falsch behandelt und dann ausgesondert wurden, sind Opfer des falschen Handelns der pädagogischen Kraft und der falschen Beurteilung des Umfelds. Sie dürfen allein mit dem fertig werden, was an ihnen getan wurde, dürfen Schulämter, Therapeuten, Ärzte noch und nöcher besuchen, dürfen sich Theorien über Theorien anhören, mit oder ohne Anamnese, mit oder ohne Grund – sind in der Mühle des Ausgestoßenen. Und sie dürfen miterleben, wie weiter Opfer produziert werden, denn das Umfeld, das nicht genau hinsehen mag, ist umfangreich, und die Schuld, die dem Opfer zugeschrieben wird, weil es ja so bequem ist, die Sache mit einer einfachen Schuldzuschreibung ablegen zu können, ist gefälligst von diesem zu verarbeiten. – Es ist mir nicht geläufig, ob sich die Viktimologie sich außer um Kriminalfälle auch um andere Felder kümmert, beispielsweise die Pädagogik. Wenn sie es wollte, hätte sie meiner Erfahrung nach dazu jeden Grund!
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Periodisch wurde einer nach dem anderen zum “Fall”, so im Abstand von einem Jahr: Meist Jungen, nie die wahren Störenfriede und Mobber, die völlig ungeschoren blieben, sondern eher die Söhne von Sympathisanten – jenen, die der Waldorfpädagogik eigentlich aufgeschlossen gegenüber standen. Dass eine Lehrerin – abgesehen vom Schwund, der durch Umzüge etc. hervorgerufen wird – etwa ein Fünftel der Klasse “entsorgt”, das ist schon ein starkes Stück! Solches bleibt von der Schule unhinterfragt, das Engagement der Lehrerin wird – auch aus der Distanz heraus – hervorgehoben und: Das Ergebnis. Denn “Frau xy hat eine leistungsfähige Klasse hinterlassen.”
Es ist die eine Sache, ob man ein Tun deckt, weil man es nicht öffentlich machen, Kollegen und Kolleginnen nicht kritisieren will. Es ist die andere, das Tun zu rechtfertigen. Man macht sich zum Mittäter.
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So einfach kann man es sich machen: In zwei Fällen hörte ich, dass die Lehrer/innen in den Klassen Befürchtungen der Waldorfschüler bezüglich dessen, was unlängst in Süddeutschland in Winnenden passierte, mit den Worten zu zerstreuen versuchten:
“Bei uns kann das ja nicht passieren, denn wir gehen ja ganz anders miteinander um!”
Das erinnert an die Friedensbewegung, die ebenfalls über viele Fragen tief zerstritten war, wo man sich dann aber in einen Kreis stellte, sich an den Händen hielt und den unsterblichen Vers rezitierte, der im Titel dieses Beitrags angegeben ist. – Danach ging die Streiterei wieder weiter. Ob man mit Konflikten nicht anders umgehen könnte, als sich in die Tasche zu lügen?
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“In Selbstverwaltung” ist eine Bezeichnung, die man in anthroposophischen Einrichtungen öfter als Label antrifft. Die Assoziation, die man damit hat, ist “selbst-, nicht fremdbestimmt”, hat etwas alternatives, basisdemokratisches. Nun, es kann auch sein, dass man rechtlos ist, keine Berufungsinstanz zur Hand hat, keine Interventionsmöglichkeit einer höheren Stelle. Denn “Selbstverwaltung” bedeutet, dass diejenigen, die in der jeweiligen Einrichtung im Machtgefüge das Sagen haben, dann auch die Denk- und Lesart dessen bestimmen, was passiert ist und was zu passieren hat. Das ist natürlich schon einmal die Gruppe der Profis, die in der Einrichtung tätig ist. Und wenn innerhalb dieser Gruppe jemand unangefochten ist, dann haben amateurhafte Mitglieder eines Gemeinwesens, und das sind Eltern allzumal, das Nachsehen in der Verfolgung ihrer Zwecke.
Übrigens interessiert auch die staatlichen Schulämter es nicht wirklich, was an Waldorfschulen passiert. Uns ist es jedenfalls nicht vorgekommen, dass bei unseren Kontakten jemand genauer nachgefragt hätte, was denn passiert ist und wie. Es wurde nur ein Bedauern geäußert, dass man ja von der Waldorfschule kommt und somit eine Möglichkeit wegfällt, die sonst eigentlich zur Verfügung steht.
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In gewisser Weise ist dieser Eintrag ein Update jenes Eintrages vom 07. Dezember 2008 des Inhalts, dass ab einem gewissen Punkt die Eltern in den pädagogischen / therapeutischen Überlegungen von Waldorfpädagogen nicht mehr viel zählen. Das betrifft nicht nur unser Kind, auch andere. Meine Frau sagte einmal:
“Ich habe von anderen noch nie von solch einer Anzahl von Verschickungen in in Internate, in Landwirtschaftspraktika, in theapeutische Gemeinschaften gehört”.
Ab einem bestimmten Punkt war nur noch davon die Rede und davon, dass unser Kind fort von den Eltern soll. Ob das adäquat ist? Denn es bedeutet einen tiefen Einschnitt in die Biografie eines Kindes, fort von seinem gewohnten Umfeld, fort von Geschwistern, Freunden, Eltern zu kommen in einen anderen Rahmen. Sicher eine nachhaltige Intervention, die in bestimmten Fällen die (letzte) pädagogische, therapeutische Lösung sein kann. – Es kann aber auch sein, dass sich in solchen Maximalinterventionen ein pädagogisches Unvermögen ausdrückt, die Problematik dort zu lösen, wo sie entstanden ist, im gewohnten Rahmen, mit den gewohnten Akteuren. Wie gesagt, wir waren bei weitem nicht der einzige Fall, in dem – ganz verschiedene Pädagogen der Waldorfschule – das nachhaltig angeraten wurde. Und es ist natürlich schmeichelhaft, wenn man selbst weiter die Lösung gemeinsam mit dem Kind angehen will, wenn man ob dieser Haltung kritisiert wird. Diese selbstsüchtigen Eltern, die einer probaten Lösung im Weg stehen!
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Sprachförderung ist eine der Qualitäten, die die Waldorfpädagogik hochhält. Schon im Kindergarten wird großer Wert darauf gelegt, ebenso in der Waldorfschule. Man möchte doch meinen, dass das auch pädagogisch geschickt vermittelt wird. Nicht unbedingt:
Unter Druck stottert unser Kind leicht. Ist es entspannt, so ist nichts zu merken. Was sagte die Spracherzieherin zu ihm? “Bis in drei Wochen musst Du Deinen Zeugnisspruch ohne Stottern hersagen können!” Zuschreibung und Druck aufbauen: Dient nicht unbedingt der Erreichung des Ziels …
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Frappierend ist das Ignorieren des Sachverhalts, dass da Glieder, die einmal der Gemeinschaft angehört haben, die sich engagiert, die sich eingebracht haben, plötzlich weg sind. Das betrifft zum einen die Eltern: Gehörte man einst zum Kollektiv der Klasse, so wird man nun von vielen geschnitten, viele grüßen nur und gehen weiter. Eigentlich haben nur wenige gefragt. Und die wenigsten haben konstruktive Hinweise gegeben – verbreiteter war das Weiterempfehlen “Dann müßt Ihr halt in die xy-Schule gehen.”
Und zum anderen auch die Pädagogen: Am liebsten ignorieren, wegsehen. Diejenigen, mit denen man eng zusammen arbeitete, eher hilflos, andere machen einen Bogen. Nur nicht ansprechen. Nur nicht aussprechen!
Und wenn direkt noch einmal ein Vorstoß gewagt wird, bekommt man die konservierten Urteile von vorgestern vorgesetzt. Neben dem Labeling ist das Ignorieren die Hauptmethode, mit dem Konflikt umzugehen. Er wird geleugnet. Und: Die Bearbeitung wird den Opfern aufgedrückt. Sie dürfen sich fortwährend darum kümmern, dass der Eiter nicht mehr läuft, die Wunde sich schließt, eine Narbe sich bildet. Das Kollektiv hat die Arbeit schlichtweg outgesourct!
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bildungsklick.de veröffentlichte Stellungnahmen von der der Bundesgeschäftsführerin des Verbands Deutscher Privatschulverbände, Julia Schier und vom Essener Bildungsforscher, Professor Dr. Klaus Klemm zur im Titel stehenden Frage. Die Geschäftsführerin betont die innovativen pädagogischen Konzepte, die individuelle Förderung und die daraus resultierenden Vorteile für die Lernbiografie. Und der Professor sieht keine signifikanten Unterschiede, wenn man Schulen der beiden Typen Schulen mit einer sozial vergleichbaren Schülerschaft vergleicht.
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Auch hier ist die Rede vom Schatten – in einer Veranstaltungsankündigung von Rüdiger Iwan und Sebastian Gronbach in Hamburg:
“Doch längst zeigen sich nicht nur die Schatten dieses Erfolges, der Erfolg selbst wird brüchig.”
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